Begriffsverwirrungen …

 Analoge Nomaden …

Alles klingt immer so schön: Digitale Revolution, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, digitale Nomaden … Digitale Nomaden? Genauer hingehört, klingen plötzlich Widersprüche an. Gedanken eines PRlers:

Man findet sie in den Barang-Cafés von Phnom Penh, in den Hotellobbys von London, in den Parks von Paris oder in den Metrostationen und Bibliotheken von Moskau, New York oder Sidney. Sie brauchen keine Freunde, keine Sozialversicherung und keine festen Bindungen, außer der ins Netz. Die Rede ist von den sogenannten „digitalen Nomaden“.

Kurz nachgedacht

Wieso aber eigentlich digitale Nomaden? Das Nomadentum dieser Menschen ist doch höchst analog. Sie sitzen irgendwo auf dem Globus. Sie reisen mit Flieger, mit Bahn, mit Bus oder mit dem Auto. Stets sitzen sie auf ihrem Allerwertesten, schwitzen, werden müde, hungrig, durstig, langweilen sich – spüren sich in einer geradezu penetranten Art körperlich. Nicht virtuell. Oder?

Höchst analog

Digital ist ja nicht einmal der Inhalt ihrer Arbeit. Denn die besteht meist aus kreativer oder zumindest kreativ-administrativer Leistung. Hirnschmalz und Tool-Kompetenz könnte man das nennen. Und das alles findet, während die Damen und Herren nomadisierend hier sitzen, dort sitzen, auf den Screen starren, im analog funktionierenden menschlichen Gehirn statt.

Schöne, neue Welten

Digital ist am digitalen Nomaden also lediglich der Verbindungsstrang für die Inhalt geworden, in Form von Dateien verdigitalisierte Arbeit und ihr Weg von A nach B. Haarspalterei? Mag sein. Und dennoch: Worte haben Macht. Sie schaffen Welten. Schöne, neue Welten. Und das ist ja auch der Job von uns Werbern, PRlern, Journalisten, Autoren. Wir erschaffen schöne, neue Welten, für die dann die Kunden unserer Auftraggeber Eintritt bezahlen.

Der Leib und die Rente

Und das ist ja auch in Ordnung so. Nur: Wir, die wir diese Begriffe schaffen und mit ihnen arbeiten, sollten sie nicht auch noch selbst glauben. Denn sonst werden wir Opfer unserer eigenen Verheißungen. Digitale Nomaden wären wirklich bindungs-, bedürfnis-, körperlos wie der Begriff dies suggeriert. Schnell und gleichzeitig überall. Und für immer jung. Unsterblich. Eben ohne diesen lästigen analogen Leib, der Reisen, der Essen muss, schlafen, Mal zum Zahnarzt gehen oder dereinst in Rente.