Power Napping – so geht’s …

In Japan eine Selbstverständlichkeit, bei uns noch immer verpönt – der Power-Nap. Doch: Wer ihn beherrscht ist klar im Vorteil. Denn im Extremfall reichen Minuten, um wieder zu neuer Frische zu gelangen.

Der Extremfall – selbst erlebt. Ein sehr geschätzter Kunde. Meeting-Beginn: 9.00 Uhr. Meeting-Ende: 19.00 Uhr. Kreativ-Meeting, wohlgemerkt. Die Pause: das kurze Mittagessen. Gemeinsam, wohlgemerkt. Beim besten Thai von München. Also: von kreativ zu privat und wieder zurück. Ohne Break hält das kein Kreativer durch.

Die Rettung. Power-Nap. Auf dem Beifahrersitz. Auf der Rückfahrt vom Restaurant zur Agentur. Während der Kunde vom letzten Urlaub schwärmt. Einfach schnell zurücklehnen. Augen schießen. Abschalten. Absinken. Weg für 30 Sekunden. Das schwarze Nichts. Dann: Aufwachen. Ahhh … und topfrisch wieder da.

Und so geht’s

Zugegeben. Ein solcher Quick-and-dirty-Power-Nap bedarf jahrelanger-, wenn nicht jahrzehntelanger Übung. Aber wenn man’s dann mal geschafft hat, verfügt man über die sprichwörtlichen zwei Leben. Ja, und wie lernt man das jetzt? So:

Wenn der Stress zu viel wird, einfach hinlegen und die Augen schließen. Das war’s im Grunde auch schon. Fast. Dann, mit geschlossenen Augen alles erlauben. Jeden Gedanken, der kommen will, einfach kommen lassen. Und wieder gehen. Und wieder kommen lassen. Und wieder gehen.

Klar. Die Gedanken kreisen wie wild um aktuelle Sorgen. Zu Erledigendes. Nöte. Probleme. Ängste. Sollen sie doch. Denn, und das ist das Wunderbare am gekonnten Power-Napping, irgendwann, also mit etwas Geduld und Praxis, merkt man: Jetzt waren sie weg. Die Gedanken. Die Sorgen. Die Nöte. Das Ich.

Für einen erfrischenden schwarzen Augenblick war da dieses vollständige Loslassen. Das unendliche Nichts. Alles weg. Der Autor hat es bemerkt, weil er beim Power-Napping, anfangs an der Uni und bei entsprechendem Zeitbudget über eine Stunde lang, auf der LP, die währenddessen lief, plötzlich ein Lied gefehlt hat. Huch, da war ja gar nichts! Kein Gedankenkreisen, keine Sorgen, keine Musik. Das Nichts.

Und so wirkt’s

Über die Jahre und Jahrzehnte dauerte der Prozess für den Autor nur noch Minuten, ja fast Sekunden, um die entspannende Leere zu erreichen. Mit Musik. Ohne Musik. Im Liegen. Im Sitzen. Ja fast im Stehen. Der Effekt? Einfach umwerfend. Wie eine frische Dusche für den Geist. Alles wieder auf Anfang: Konzentrationsfähigkeit. Kreativität. Leistungsbereitschaft.

Auf langen Autofahrten ist das lebensrettend. Statt Sekundenschlaf das Viertelstündchen übers Lenkrad hängen und die nächsten 300 Kilometer wieder sicher wie beim Fahrtbeginn. Oder der Rettungsring für die Karriere – siehe Situation zu Beginn des Beitrags.

Ganz wichtig:

Power-Napping funktioniert – einmal gelernt – tatsächlich immer und überall. Ob vor der Pariser Oper – und wer dort war, weiß, was da für ein Verkehrslärm herrscht. Auf dem Beifahrersitz. Auf dem Büroboden.

Ganz wichtig ist dabei zum einen, dass der Power-Napper sich beschützt und akzeptiert fühlt. Denn nur so kann er oder sie sich effektvoll und gefahrlos fallen lassen. Im Freien ist das eine vertrauensvolle Begleitperson, im Büro sind es die verständigen KollegInnen. Ganz wichtig ist zum anderen, dass die Napping-Situation nicht zu bequem ist. Es geht schließlich nicht um einen wohligen Mittagsschlaf. Nein. Power-Napping richtig eingesetzt, ist echtes Refreshment und daher Bestandteil der Arbeitszeit.

Deshalb im Auto lieber übers Lenkrad gebugt und niemals den Sitz nach hinten klappen. Im Freien das Holz einer Parkbank oder den Marmor einer Museumsstufe wählen und im Büro auf den Fußboden legen. Dünne Tücher oder Decken sind erlaubt. Denn nur durch eine harte Unterlage bleibt garantiert, dass Körper und Geist nicht wegschlummern, sondern, zwar äußerlich nicht erkennbar, aber doch im Inneren ihre Arbeit tun.

Fazit: Lassen Sie Ihr Hirn unbeaufsichtigt!

Es ist wirklich ganz einfach mit dem Loslassen: nichts wollen, nicht einmal das Loslassen. Wer diese schlichte Formel beherzigt und eine Zeitlang die Augen vor allem verschließt, und alles, was dann kommen will, kommen lässt, wird Power-Napping lernen und erfolgreich anwenden können. Augen zu!